Breithornüberschreitung (ZS, 4a)

Es fühlte sich wie so oft an, als hätten wir große Teile der Nacht wachgelegen. Das Biwak war eng und trotz der vielen Bergsteiger kühlte die Luft sehr ab, da wir auf 3787m schliefen. Viele hatten Schlafsäcke dabei oder schliefen in ihren Daunenjacken. Irgendwann standen die Italiener auf und wir dachten, dass es Sinn machen würde, auf die Uhr zu schauen. Es war schon 5:30 Uhr und wir hatten unseren Wecker nicht gehört, der auf 5:00 Uhr gestellt war.

Wir schälten uns auch aus den Hütten-Schlafsäcken und versuchten uns die Schuhe anzuziehen, die unter dem Tisch standen, an dem nun die Italiener ihr Wasser kochten. Es war ein bisschen eng und ich blieb auf der Matratze sitzen, während Chuck auch am Tisch den Tee kochte. Es gab Tee mit Mandelhörnchen. Den Tee mussten wir anfangs wieder aus dem Topf löffeln, da wir keine Tassen dabei hatten und der Topf zu heiß zum Anfassen war.

Lange brauchten wir diesen Morgen nicht, um fertig zu werden. Zum Glück blieben die Spanier und die Tschechen noch liegen, sodass wir einigermaßen gut unsere Rucksäcke packen und das Biwak verlassen konnten. Wir kletterten den kurzen Felsaufschwung hinauf zu den Steinen, an denen wir unsere Pickel und Steigeisen deponiert hatten. Die Italiener erreichten uns dort, kurze Zeit später. Wir starteten unsere Tour vom Biwak aus um 6:08 Uhr.


Der erste Teil der Tour führte direkt über dem Biwak einen steilen Firnhang mit bis zu 40° Steigung hinauf. Für die knapp 300m im Firn bis zum ersten Gipfel, Roccia Nera, brauchten wir eine Stunde.


Im oberen Teil war der Firn schon ein bisschen eisig, sodass wir mit den Frontalzacken der Steigeisen und dem Pickel arbeiten mussten. Der erste Gipfel unserer Tour lag auf 4075m und von dort an sollte sich alles auf einer Höhe von über 4000m abspielen.


Wir stiegen am überwächteten Firngrat bis zum Ostgipfel des Breithorns.


Den letzten Teil des Ostgipfels erkletterten wir leicht im Fels.


Oben angekommen suchten wir nach der beschriebenen Abseilstelle und fanden auch ein paar Schlingen mit einer Abseilöse. Beim Abseilen sahen wir jedoch drei Meter weiter unten einen sehr soliden Stand mit einer Kette und einem Ring. Wir beschlossen, von dort aus abzuseilen und zogen das Seil wieder aus dem oberen Stand. Auch die zweite Abseilstelle vom Ostgipfel war sehr gut eingerichtet.


Weiter ging es über einen Firngrat zum zweiten der Breithornzwillinge (der Ostgipfel war der erste Zwilling). Dieser zweite Zwilling war ähnlich leicht zu erklettern wie der erste. Er hatte eine kurze steile Platte, die erst nicht ganz übersichtlich war, sich dann aber leicht klettern und nach links verlassen ließ. Wir erreichten den Gipfel des zweiten Zwillings um 8:47 Uhr.

Unter uns auf dem Gletscher sahen wir schon mehrere Seilschaften auf uns zukommen und zwischen den Zwillingen und dem Fels des Mittelgipfels aufsteigen. Hier kann man zum Firngrat aufsteigen und so die Tour abkürzen. Durch diese Abkürzung scheinen einige Bergsteiger motiviert zu sein, die Tour von der ersten Bergbahn des Tages aus zu beginnen. Wir mussten erst einmal wieder abseilen. Ich begann mit der ersten Länge, die mich an einem Stand vorbei zu einem Stand auf einem kleinen Plateau brachte. Rechts unter mir sah ich erneut Schlingen und entschied mich, den nächsten Stand wieder an der Felswand zu erreichen. Dort angekommen gab ich das Seil für Chuck frei. Bei genauer Betrachtung sah der Stand nicht so solide aus, wie der, den ich übersprungen hatte. Auch das Seil könnte schwer abzuziehen sein. Ich hielt eines der Seilenden fest und beratschlagte mit Chuck was wir tun sollten. Wir beschlossen, dass er zum oberen Stand abseilte und mich dann an einem Ende des Seils wieder zu sich hin sicherte.

Nach den Abseilmanövern mussten wir noch einem weiteren Firngrat folgen, um zum Aufschwung auf den Mittelgipfel zu kommen. Dort kamen nun alle fünf Minuten weitere Seilschaften an. Der Firngrat war ziemlich eisig, überwächtet und steil, sodass wir nicht direkt auf dem Grat gehen konnten. Wir erreichten die Scharte und den Einstieg in die schwere Kletterei um 9:39 Uhr.


Wir sicherten am Seil und reihten uns in die Kletternden ein. An diesem ersten und schwersten Felskletterteil des Grats gibt es zwei Varianten. Eine Variante in der Schwierigkeit 4a, für die wir unsere Steigeisen wegpackten, und eine Variante in der Schwierigkeit 3a, welche auch die „Faulpelzvariante“ genannt wird. Wir kletterten in kurzen Seillängen den ersten Aufschwung hinauf. Einige der folgenden Seilschaften kletterten die zweite Variante, wodurch es sich zum Glück nicht so sehr staute. Die Kletterei war ziemlich luftig, und man musste eigene Sicherungen anbringen, da zwischen den Ständen oft nur ein einziger Haken gebohrt war.

Nach dem ersten Aufschwung wurde die Kletterei einfacher. Wir sicherten noch einmal eine Wand hinauf, die mit 3a bewertet war und sich gut klettern ließ. Danach gingen wir am kurzen Seil über den Grat. Es gab noch ein paar kleinere Kletterpassagen in dem etwas unübersichtlichen Grat, der zum Mittelgipfel führte.


Vor dem Mittelgipfel trafen wir beim Anlegen der Steigeisen wieder auf ein paar Seilschaften, die nun so wie wir dem Firn zum nächsten Gipfel folgten. Es war nun schon ziemlich wolkig um uns herum. Um 12:00 Uhr standen wir auf dem 4139m hohen Mittelgipfel. Diesen erreichten auch schon andere Gruppen, die auf dem Normalweg des Breithorns aufgestiegen waren. Für uns ging es nun erst ein Stück hinab und dann auf einem sehr schmalen aber gut ausgetretenen Grat wieder hinauf.


Wir erreichten den Hauptgipfel des Breithorns 25 Minuten später. Hier oben war viel los und neben mir machte ein Familienvater eine Dose Red Bull auf, um nach dem Aufstieg mit Frau und Tochter wieder Energie zu tanken.


Auf der Flanke unter dem Gipfel fanden wir eine gute Spur vor. Ein paar komische Leute trafen wir noch im Aufstieg. Einer joggte in kurzer Hose und T-Shirt durch den Firn, während sein Kumpel hinterherschnaufte. Ein Vater hatte ein Seil und Schneeschuhe am Rucksack, schnaufte den Hang abseits der Spur aber ohne Steigeisen hinauf, während an dem Seil zwei Kinder befestigt waren, die ihm hinterher liefen. Wir erreichten ohne Probleme das Breithornplateu. Hier ging es in immer matschigerem Schnee wieder leicht zur Seilbahnstation hinauf.

Wir erreichten die Seilbahn um 13:23 und waren schon um 14:40 Uhr wieder mitten im Touristentrubel von Zermatt, wo wir uns noch beeilen mussten, um unser Sammeltaxi um 15:00 Uhr zurück zum Auto zu erreichen.

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