Aufstieg Bordierhütte

Bergtouren starten meist von einer Berghütte. Diese Hütte ist manchmal gar nicht so einfach erreichbar. Heute wollten wir auf die Bordierhütte aufsteigen, von der man den Nadelgrat klettern kann. Nach dem Frühstück und Putzen unserer Airbnb Wohnung packten wir alle Taschen und Rucksäcke in das Auto und fuhren abermals in Richtung St. Nikolaus, wo wir schon unsere erste Unterkunft gehabt hatten. Nun ging es weiter den Hang nach Grächen hinauf, um vorher scharf nach Gasenried abzubiegen. Gasenried ist ein kleines, hochgelegenes Dorf, von dem aus der Aufstieg zur Bordierhütte beginnt.

Wir nutzten die befahrbaren Straßen voll aus und fuhren bis zu einem Parkplatz am Ende des Dorfes. So ziemlich alle interessanten Parkplätze in der Schweiz kosten Geld. Dem war auch hier so. Gerade sahen wir eine Frau, die ihren Laden gegenüber für die Mittagspause schloss und auf dem Weg nach Hause war. Wir sprachen sie noch aus dem Auto an und sie öffnete für uns noch einmal ihren Laden, um die Parkgebühren von 8 Franken zu kassieren.


Um 12:32 Uhr starteten wir vom Auto auf ca. 1650m den Aufstieg zur Bordierhütte. Zuerst führte uns der Weg an Grillplätzen vorbei einen Hang hinauf. Hier war der Weg noch sehr breit und von einigen Wanderern begangen. Wir querten in einer bewachsenen Ebene, die von einem Fluss durchbrochen wurde. Wie man eine Stunde später am Gesicht von Chuck leicht erkennen kann, sollte sich der Charakter des schönen Weges bald ändern.


Es ging für uns noch an einer Schäfershütte vorbei, bevor wir in ein Geröllfeld einsteigen mussten, welches uns neben dem mächtigen Gletscher zu einer Stelle bringen sollte, an der wir ihn queren könnten.


Wir konnten von einem Pausenplatz aus schon die Hütte auf einer großen Felsschulter links oberhalb des Gletschers erahnen.


Während unserer Pause überholten uns zwei Schweizer, von denen der erste ohne T-Shirt vorstürmte, während der zweite keine Anzeichen machte, konditionell unterlegen zu sein. Die beiden schnatterten angeregt vor sich hin und waren bald kaum noch in der Ferne zu sehen. Wir trafen sie später auf der Hütte wieder. Der erste erhielt von uns den Namen „das Tier“ während der zweite weniger mit Muskelbergen bepackt war, da er ein Ultratrailrunner ist. Das Tier war schon viele Touren geklettert und wollte sowie wir am nächsten Tag den Nadelgrat gehen. Die beiden planten allerdings auch den längeren Abstieg zurück zur Bordierhütte, von dem uns die Hüttenwartin abgeraten hatte, da er durch unübersichtliche Spaltenzonen auf dem Gletscher führte.


Noch waren wir aber nicht einmal an der Hütte. Der Weg führte uns oberhalb einer flachen Zone des Gletschers zu einem Schild: „Gefahrenzone, Steinschlag: schnell queren“. Diese Warnung nahmen wir ernst und stolperten so gut es ging durch das Geröll zum Eis des Gletschers hinunter. Wir querten den Gletscher und fanden abermals ein Warnschild vor. Dieses Mal wussten wir allerdings nicht, wie ernst es zu nehmen war.


Über Befestigungen am Felsaufschwung der Hütte stiegen wir nach dem Gletscher wieder auf. Wir erreichten die Hütte ziemlich kaputt um 16:20 Uhr. Die Gletscherpassage hatte uns im Abstieg und Wiederaufstieg ca. eine Stunde gekostet.


Mittlerweile mag man sich fragen, warum die Hütte an einem so unzugänglichen Ort wie dieser Felsschulter aufgebaut wurde. Wir nehmen an, dass der Gletscher früher deutlich höher war und man nicht erst durch loses Geröll absteigen und dann über glatte Felsplatten wieder aufsteigen musste. Früher lief man wohl direkt vom rechten Hang über den Gletscher zur Hütte auf dem Felsplateau.


Die Hütte war trotz ihrer Lage recht gut besucht und so wurde es bald warm im kleinen Gastraum. Mit uns am Tisch saßen noch zwei Münchner, das Tier und der Ultratrailrunner, die alle das gleiche Ziel für den nächsten Tag hatten.

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